forest, fog, hirsch

 

Gemeinsame Aktivitäten verbinden und fördern die Gruppendynamik. Deshalb ist das Teilen ein Teil unserer Lebensphilosophie. Die Freude an geteilten Erlebnissen hat jedoch auch ihre Grenzen:

Vor ungefähr einer Woche saßen wir wie jeden Abend gemeinsam am Feuer. Wundervolle Gitarrenklänge erzeugten eine anmutige Atmosphäre unterm Sternenhimmel, bis sich ein ungewohntes Röhren in die C-Dur Melodie mischte. Einige blickten fragend in die Runde.

„Das ist ein Hirsch“, rief Marina begeistert. Sie hatte vor Jahren Biologie studiert und verfügt deshalb über ein beeindruckendes Naturkunde-Halbwissen. Abermals ertönte das Geräusch.
„Hört ihr das?“ Aufgeregt erhob sie sich und stierte ins Dunkel. Die Gitarren verstummten, alle konzentrierten sich auf den schnellen Intervall des dumpfen Grölens.

„Ganz eindeutig. Das muss ein Rothirsch sein. Die Tonlage passt genau.“, schlussfolgerte Marina. Doch dann folgte ein ganz untypischer Klang: ein feuchtes Husten menschlicher Art.

„Das ist kein Hirsch, das ist Johannes“, rief Peter von der anderen Seite des Feuers. „Der kotzt sich da drüben die Seele ausm Leib.“
Einige Kinder tauschten beunruhigte Blicke aus. Peter stand auf, um Johannes Beistand zu leisten. Opa Friedrich räusperte sich. „So ganz stimmt das nicht, was Peter gesagt hat“, sprach er. Man könne seine Seele nicht auskotzen, Seelen könnten zwar wandern und inkarnieren, aber dies hätte nichts mit der Leerung des Mageninhaltes zu tun. Er sagte das vor allem in Richtung der Kinder. Mit Seelenwanderung ist immerhin nicht zu spaßen in unseren Kreisen.

Am nächsten Morgen hatten sich zur Lage des Johannes auch noch der Bert und die Ingrid gesellt. Im Laufe des Nachmittags erwischte es noch fünf andere. Wir kamen gar nicht hinterher so schnell Scheißelöcher zu graben, wie sie gefüllt wurden. Auch die Essigdesinfektion half nichts, bald hatten wir es alle.

Brechend banden wir Blumenkränze, meditierten über das Rumoren unserer Därme und tupften uns gegenseitig den Schweiß von der Stirn. Selten hatte ich mich den anderen so verbunden gefühlt wie in dieser katastrophalen Lage des gemeinsamen Leids. Nach zwei langen verschissenen Tagen verebbte das Ungemacht. Frischer Waldwind wehte den miefigen Gestank hinfort, Mutter Natur saugte die Reste unserer ehemaligen Inhalte in ihrem Boden auf, fröhliche Flötenklänge läuteten ein Fest der Freude ein.

Wie schlimm hätte das alles sein können, doch wir haben das Ganze in Gemeinschaft und Geborgenheit erlebt.

 

Teilen macht alles schöner. Teilen ist Teil unserer Lebensphylosophie, hier im Hippiecamp.

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